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Präpariert für alle Fälle

NOTAUSRÜSTUNG


Flüge im Gebirge erfordern besondere Sorgfalt - auch was die Vorbereitung auf den Notfall angeht. Dr. Hans Trautenberg hat einmal für sich und den aerokurier zusammengestellt, was man (nicht nur) bei Alpenflügen dabei haben sollte.

Mit Genehmigung der AEROKURIER geben wir diesen Artikel hier wieder, der in der Ausgabe 3/2004 auf den Seiten 118/119 in Original erschienen ist. Sie können diesen Artikel auch als pdf-Dokument [70 KB] herunterladen.

Wem im Flachland eine Außenlandung misslingt oder wer hier mit dem Fallschirm aussteigen muss, der landet mitten in der Zivilisation. Es wird sich immer eine nahe gelegene Straße oder gar ein Dorf finden, so dass es nicht schwer fallen sollte, Hilfe herbeizurufen. Und sehr unwahrscheinlich ist, dass es keine Zeugen gibt, die schnell vor Ort sind. Ganz anders sieht es bei einem Unfall im Gebirge aus. Dort muss sich deshalb auf solche Notfälle ganz anders vorbereitet werden.
Für Flüge über unwegsamem und nur spärlich besiedeltem Gelände, wie den Alpen, empfiehlt sich eine Notausrüstung, die allerdings auch bei Flügen im dichter besiedelten Flachland nicht schaden kann. Sie sollte all das enthalten, mit dem selbst unter widrigen Wetterbedingungen eine längere Wartezeit auf die Retter zu überstehen ist und natürlich die Dinge, die es den Rettern erleichtern beziehungsweise überhaupt erst ermöglichen, die Position des Piloten ausfindig zu machen. Nach einem Absprung mit den heute gebräuchlichen Rettungsschirmen muss jedenfalls selbst bei einer Landung auf günstigem Terrain von orthopädischen Schäden ausgegangen werden, die die eigene Beweglichkeit erheblich einschränken. Bei einem Aufsetzen in Geröllfeldern und Ähnlichem ist mit Bänderdehnungen, -rissen und auch Brüchen zu rechnen.
Eine Fallschirmlandung übersteht man am besten in festen, knöchelhohen Schuhen. Mit solchem Schuhwerk ist man natürlich auch für unwegsames Gelände bestens vorbereitet. Ich trage deshalb immer Bergschuhe beim Fliegen in den Alpen.

Notausrüstung Kompakt

Am Fallschirmgurtzeug sollte eine kleine Tasche befestigt werden mit folgendem Inhalt: Direkt am Körper bzw. in den Hosentaschen sollten dabei sein:
Signalrakete/Signalgeber mit roten Leuchtsternen Funktelefon (Handy)
Signalspiegel Taschenmesser
Trillerpfeife kleine LED-Taschenlampe
wasserfeste Streichhölzer mehrere Stofftaschentücher
zwei Verbandpäckchen ein Block PostIts und ein Bleistift
ein Dreiecktuch einige Müesliriegel
eine kleine Rolle Heftpflaster  
einige kleine Pflaster  
eine Folienrettungsdecke gegen Auskühlung  
ein starkes, flüssiges Schmerzmittel  

Weshalb gerade diese Ausrüstung ?

Die Signalraketen gibt es im Waffenhandel für zirka 20 Euro. Die Leuchtgeschosse steigen bis auf 60 Meter Höhe. Sie werden verwendet, wenn der Suchhubschrauber schon sehr nahe ist.
Mit der Trillerpfeife kann ausdauernd ein lautes Signal abgegeben werden, sie ist dem bloßen Rufen deutlich überlegen. Wer im Notfall allein auf seine Stimme angewiesen ist, ist sehr schnell heiser.
Mit den wasserfesten Streichhölzern kann notfalls ein Feuer als Signalquelle entzündet werden. Es gibt Piloten, die haben ihr Flugzeug in Brand gesetzt, um den Hubschrauber, der schon lange Zeit in Hörweite gesucht hat, auf sich aufmerksam zu machen. Auch das Sauerstoffgerät kann zum Signalgeben eingesetzt werden; in der Tat hat ein Sauerstoffgerät schon einmal bei einem Frühjahrs-Föhnflug nach einer ungewollten Gletscherlandung Leben gerettet. Der Pilot entzündete nach der früh hereinbrechenden Dunkelheit mit dem mitgeführten Höhensauerstoff sein Flugzeug. (Einfach den Sauerstoff mit hohem Druck auf etwas Fett strömen lassen, ist aber sehr gefährlich und nur als ultima ratio anzusehen.) Der Lichtschein in unwirtlicher Höhe konnte nur mit dem vermissten Piloten in Zusammenhang gebracht und damit erst die Rettungsaktion eingeleitet und noch in der Nacht durchgezogen werden.
Bei Gleitschirmfliegern ist die 30 Meter Repschnur sogar Pflicht. Mit ihr kann bei einer Baumlandung, Hilfsmaterial heraufgezogen werden wie zum Beispiel ein Seil zum Abseilen. Sonst kann es (auch im Flachland) recht schnell kompliziert werden. Bei den Deutschen Juniorenmeisterschaften vor einigen Jahren in Aachen jedenfalls hatte ein Pilot, der sich nach einem Zusammenstoß mit einem Fallschirmsprung rettete, aber in einem Baum landete, über zwei Stunden im Geäst ausharren müssen. Solange hatte es gedauert, bis die Feuerwehr fünf Bäume gefällt hatte, und schließlich eine Leiter anbringen konnte. Eine Rettung mit dem Hubschrauber war nicht möglich, weil der Rotorabwind den Baum so stark bewegt hat, dass der Unglückspilot beinahe runtergefallen wäre. Die Taschentücher können notfalls auch als Verbandmittel herhalten. Die kleine LED-Taschenlampe kann zum Signalge-t ben dienen und hilft in der Nacht, Dinge aufzufinden. Mit Postlts und Bleistift (Kugelschreiber trocknen bei längerer Lagerung aus) kann man sich Erinnerungsstützen notieren und andererseits auch Nachrichten hinterlassen.
Zu überlegen ist die Anschaffung eines kleinen 406-MHz-ELTs, das ebenfalls am Körper getragen werden kann. Bei einem Rettungsabsprung muss das Flugzeug mit dem eingebauten ELT ja nicht notwendigerweise dort zu Boden kommen, wo der Pilot mit dem Fallschirm herunterkommt. Ob man aber auf der einen oder der anderen Seite eines Berges liegt, macht schon einen ganz erheblichen Unterschied, auch wenn die direkte Distanz nur ein oder zwei Kilometer beträgt.
Das ELT im Flugzeug ist ein unbedingtes Muss. Darüber hinaus hat sich aber als sehr effektive Suchhilfe das eingeschaltete GSM-Telefon (Handy) herausgestellt. Selbst wenn es einen Unfall nicht übersteht oder nicht mehr bedient werden könnte, kann über die Aufzeichnungen der Telefongesellschaften der Flugweg verfolgt und das Gerät recht genau lokalisiert werden.
Sicherheitsbedürfnis und Recht stehen hier allerdings noch in gewissem Widerspruch, denn nach deutschem Recht dürfen Funktelefone an Bord von Flugzeugen nicht benutzt werden.

Ersatzausrüstung im Gepäckraum

Die Luftfahrzeug-Elektronik-Betriebs-Verordnung (LuftEBV), die das Luftverkehrsgesetz (LuftVG) in Bezug auf Funktelefone spezifiziert, eröffnet aber einen Ausweg: "Der verantwortliche Luftfahrzeugführer oder der Luftfahrzeughalter kann von den Beschränkungen ... Befreiungen erteilen sowie den Betrieb von Funkgeräten allgemein oder im Einzelfall zulassen, wenn dies für die Durchführung des Fluges erforderlich oder ... notwendig ist und in mindestens einem Bodenversuch nachgewiesen worden ist, dass in dem eingesetzten Luftfahrzeug eine Störung der Bordelektronik durch den Betrieb des betreffenden Geräts nicht auftritt."
Nicht in die Fallschirm-Nottasche gehört all das, was bei Außenlandungen und gegebenenfalls einzukalkulierenden Übernachtungen im Freien gebraucht wird. Diese Utensilien sind im Gepäckräum des Segelflugzeugs gut aufgehoben.
Das Buch hilft die Wartezeit auf den Rückholer zu überbrücken. Das Warten kann ganz schön lange werden. Und nach einer Landung auf einem entfernten Flugplatz ist es gut, wenn man für die Übernachtung und für den Rückflug am nächsten Tag gerüstet ist.
Der mitgeführte kleine Spiegel ist eine gute Hilfe, um Flugzeuge im Blick zu behalten.

So viel zur Notausrüstung und sinnvollen Ausstattung bei Segelflügen im Gebirge. Die Listen machen es leicht, die notwendigen Pakete zusammenzustellen. Und das sollte auch gemacht und nicht mit dem Gedanken "mir passiert schon nichts" verdrängt werden. Wer dagegen vor dem Flug das Notpaket am Fallschirm anbringt und sein ELT scharf macht, startet mit geschärftem Gefahrenbewusstsein und fliegt schon deshalb sicherer.

Dr. Hans Trautenberg

STRECKENKIT

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